T6: Alles Gute zum Geburtstag!

In gut einem Monat werde ich dreiundzwanzig Jahre alt. Diese Aussage wird von ein paar Leuten zu Recht angezweifelt. Doch wenn man – so wie ich –  während der letzten fünf Jahre mehr als 70% verschlafen hat, dann darf man sein Alter bei der Stadtverwaltung neu anpassen gehen. Natürlich nur, wenn entsprechende Gründe für so ein erhöhtes Schlafpensum vorliegen. Als Faustregel gilt: Psychische Probleme schlagen dabei sowohl laute Nachbaren als auch unausgereifte Argumente (“Mir war einfach langweilig”).

Die Änderung des Geburtsjahrs zieht aber einen ungeheuren administrativen Aufwand nach sich, der nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Wer aber schliesslich drei Jahre gewinnt, der scheut nicht fünf Monate verpasstes Leben (drei Monate für das Ausfüllen von Formularen, einen Monat für Telefongespräche mit Behörden und einen Monat für die Rückgabe vergangener Geburtstagsgeschenke).

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T5: Keine Zeit für den heissen Brei

Neben Arthur Cohn im Sonntagsblick zu erscheinen, sogar noch mit einer selbstverfassten Gedichtsstrophe, verdient schon eine Erwähnung und den relevanten Link.

Im Länggasse-Arbeitsquartier werden die kalten Nächte durchgeschrieben und viele Projekte geschmiedet, die bald zum Ausbruch kommen: Ein Kurzfilm befindet sich in Produktion, die Erziehungsdirektion von Bern sucht das Gespräch, die PH Bern möchte einen Slam-Text zu ihrem Kulturleitbild und mit einem befreundeten Slammer wird an einem Programm gefeilt.
Zudem steht der 8. THUNER POETRY SLAM im Café Mokka vor der Türe (28. April 2012) und die Berner u20-Liga organisiert zum verspäteten Start in die Saison einen U20 Slam-Workshop im Gaskessel in Bern (5. Mai 2012).

Ansonsten kümmere ich mich darum, dass in Thun nicht all meine Lieblingsplätze Seniorenwohnungen weichen müssen. Und nein, ich habe leider keine Zeit, etwas gegen meine Augenringe zu tun!

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T4: Konzentrat

Wenn ich als Spoken-Word-Poet zugebe, an der Uni Germanistik zu studieren, dann werde ich zu unrecht als Klischee beschimpft (dabei bin ich im Slam-Zirkus eine frappante Ausnahme). Wenn ich dann noch leise anfüge, dass ich in einer Buchhandlung arbeite und ein Praktikum im “Gesunden Menschenversand”, DEM Spoken-Word-Verlag der Schweiz, absolviere, würde man mich am liebsten richtig durchprügeln. Ich nehme es sportlich und weise auf die vier Elemente des Hip Hop hin. Nicht, dass mich das von den Schlägen rettet, aber es gibt mir eine innere Ruhe.

Wer die Hip Hop-Analogie nicht versteht, muss sich nicht grämen: Zwei der genannten Tätigkeiten führe ich seit dieser Woche nicht mehr aus, fokussiere mich stattdessen konzentriert auf die anderen zwei. Die Wahl lasse ich nicht euch; das Ratespiel schon.

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T3: Ehestreit

Texte zu schreiben, ist bei mir ein äusserst asozialer Akt: Ich verschanze mich stundenlang in meinem Zimmer und starre in den Computerbildschirm (tippe zwischendurch ein paar Zeilen) oder marschiere laut vor mich hinbrabbelnd auf den wenigen Quadratmetern, die mir noch bleiben. Und wage ich mich nach draussen, um z.B. Nahrung zu beschaffen, dann bin ich meist geistesabwesend und erkenne bekannte Gesichter erst, wenn ich am Arm gerüttelt werde…

Jedenfalls wurde bei uns schon dreimal die Polizei gerufen, weil man in unserer WG-Wohnung ein laut streitendes Ehepaar vermutet hat oder ein aus den Fugen geratener Familienkonflikt. Ich ging dann letzte Weihnachten mit Keksen bei jeder Wohnpartei vorbei, habe mich vorgestellt und erklärt, was ich da genau mache (nämlich “nur” meine Texte performen). Das hat die ganze Situation definitiv entspannt.

Allen widrigen Umständen zum Trotz arbeite ich fleissig an zwei neuen Slam-Texten (diesmal wieder auf Berndeutsch) und ignoriere derweilen einfach das penetrante Klopfen der Besenstiele.

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T2: Rock ‘n’ Roll?

Oft fragen mich (meist ältere) Personen, wieso ich den Thuner Poetry Slam nicht in einem grösseren Lokal veranstalte, in dem einerseits gestuhlt wird (den Witz habe ich salonfähig gemacht!) und andererseits eine elaborierte Lüftung auch zweihundert Besucher vor Schweissausbrüchen und abgestandener Luft schützt. Wir stehen hier vor einem grundlegenden Missverständnis: Ich verstehe Slam nicht als Kleinkunst, die man in jedem puritanischen Kleintheater veranstalten kann. Slam ist gesprochene Literatur und gehört der Tradition nach auf Konzertbühnen in Bars oder Clubs. Alkoholausschank ist ein Muss, eine dichtgedrängte Zuschauermenge, die ohne Leerraum direkt vor der Bühne steht auch. Die Frage, ob dein Slam ein gelungener Anlass war, erkennst du daran, wie nass geschwitzt die T-Shirts in der ersten Reihe sind.

Solch beschriebene Slams, die eher an ein Rock ‘n’ Roll-Konzert erinnern, sind momentan rar in der Schweiz (wir exponieren, wir exponieren!). Wir in Thun machen es seit Jahren vor und haben in sieben Ausgaben bisher präsentiert, was Slam eigentlich sein sollte: Wild, laut, atmosphärisch dicht und mit der nötigen Portion Nonkonformität. Wer sich –ungeachtet des Alters – auf dieses Format einlässt und keine Überraschungen scheut, der wird definitiv einen unvergesslichen Abend erleben.

In diesem Sinne: Der 8. THUNER POETRY SLAM (das Original) findet am Samstag, 28. April 2012 im Café Mokka in Thun statt. Das ständig aktualisierte Line-Up findet ihr hier.

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T1: Jagdsaison

Eröffnungsworte zur U20 Slam-Saison 2012:

Vor kurzem hörte ich einen Literaten zum anderen sagen: “Mit der Durchführung des ersten Slam-Workshops an einer Schule begann gleichzeitig der Untergang des Poetry Slams.” In meiner Position müsste ich dieser Behauptung nun vehement widersprechen, tue ich aber nicht. Nein, ich gebe ihr zu einem gewissen Grad sogar Recht!

Das Problem liegt in der Abstraktion: Wer Slam-Workshops und Slam-Vorträge durchführt, kann selten der Versuchung widerstehen, sein Image zu verkaufen. Besonders wer unreflektiert an die Sache herangeht, verpennt die Schwerpunkte solcher Arbeit: Vermittlung von gesprochener Literatur an Jugendliche, Förderung der Kreativität, Überbrückung von Denken und Schreiben, Übung des mündlichen Vortrags und kritische Auseinandersetzung mit den gehörten Texten. Das tönt theoretisch ganz gehoben und lässt sich in ähnlicher Form auch im “Slam-Handbuch für Neueinsteiger und Wiederholungstäter” nachlesen.

Praktisch ist es viel einfacher, ein paar YouTube-Videos zu zeigen, seine Slam-Siege aufzuzählen und die ganze Slam-Sache in den höchsten Tönen zu glorifizieren. Und sich dann nach getaner Arbeit zu wundern, wieso so viele textliche Toy-Soldier-Kopien auf der Bühne herumpointieren…

Und natürlich bleibt diese Kritik sehr pauschal und unvollständig; auch weil dies hier kein Blog ist… Aber interpretationsbedürftige Aussagen geben meist mehr her als klar formulierte Aufsätze. Jedenfalls was Eigenarbeit angeht.

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T0: Stakes Is High

Ich bin kein Dichter, kein Comedian, stehe nicht auf Kleinkunst und halte nicht viel von Szenen, ausser ich habe sie selbst gegründet. Ich verweigere jeglichen Kompromiss, das Leben immer schwarz oder weiss, kein Verständnis für Plastikträume und benutze zu oft den Mittelfinger als Antwort auf Oberflächlichkeit.

Ich bin ausgewiesener Literat, im Herzen Rapper und definitiv sozial schwierig. Ich habe vielleicht nicht so viele Texte im Repertoire, dafür überdauern sie in deinen Gedanken jede Afterparty. Ich brauche kein aufgeblasenes Image, mein Niveau spricht für sich. Ich lebe für Anerkennung, verbitche mich aber nicht für jeden Scheiss…

Und wenn ich mal nicht lüge, dann sage ich höchstwahrscheinlich die Wahrheit.

Die Remolution bezahlt keine Krankenversicherung. Alles Geld fliesst direkt in Adornos Grab. Und ab dem 11. Januar 2012 wird diese News-Seite alle zwei Wochen upgedatet. Immer mittwochs. Gebt dem Enfant terrible eine Chance, er könnte euer zukünftiger Schwiegersohn sein!

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